In [393]:
import re, sys, urllib.request, time
import lxml.etree as ET
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#removes the annotations and saves the cleaned text as .txt
#Problem - newline \n and encoded umlaute.
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In [395]:
try:
u = urllib.request.urlopen(url)
except:
print('something is wrong with this url')
sys.exit(0)
In [396]:
dom = ET.parse(u)
In [397]:
resource = dom.xpath("//exist:resource/@name",
namespaces={'exist':
'http://exist.sourceforge.net/NS/exist'})
In [398]:
for file in resource[:10]:
fileUrl = url+"/"+file
try:
u = urllib.request.urlopen(fileUrl)
except:
print('something is wrong with this url')
sys.exit(0)
dom = ET.parse(u)
resource = dom.xpath("//tei:div[@type='transcript']/tei:p",
namespaces={'tei':
'http://www.tei-c.org/ns/1.0'})
print(len(resource))
cleanedText = []
for p in resource:
text = ET.tostring(p, pretty_print=True)
text = str(text)
pattern = re.compile(r"<.*?>", re.DOTALL)
newtext = re.sub(pattern,"", text)
print(newtext, end="")
cleanedText.append(newtext)
hansi = " ".join(cleanedText)
fileName = re.sub(r'.xml', ".txt", file)
output = open(fileName, 'w', encoding="utf")
output.write(hansi)
output.close()
time.sleep(5)
4
b'Innsbruck, 26. April 1850\n \n'b'Gnädigste Gräfin,\n \n'b'Unmöglich kann ich mir es versagen, Ihnen teuerste Gräfin, meine lebhafte\n begeisterte Freude auszudrücken über das ruhmvolle segensreiche Werk, welches\n Ihr edler Gemahl mit Muth und\n Kraft und Glauben unternommen und in seinen wesentlichen Grundlagen mit Gottes\n Hülfe schon vollbracht hat. Meine innigsten Wünsche und Gebete waren seit Jahren\n auf diesen Gegenstand gerichtet, die Anerkennung und Gewährung der freien\n Wirksamkeit der Kirche zum Heil der Völker Oesterreichs. Davon hing nach meiner tiefen Überzeugung der volle\n Erguß des göttlichen Segens über die Monarchie und den geliebten Regenten ab. Durch den\n unvergleichlichen Vortrag vom [7. April 1850]Das Datum\n fehlt an dieser Stelle. Gemeint ist sicherlich der Vortrag vom 7. April\n 1850. An diesem Tag erstattete Thun dem Kaiser einen alleruntertänigsten\n Vortrag über die Neuregelung der kirchlichen Angelegenheiten. Der Vortrag\n wurde in der Wiener Zeitung vom 21. April 1850, S. 1233–1236.\n abgedruckt. und dessen GenehmigungSiehe dazu\n RGBl 156/1850 und RGBl 157/1850. ist das Ziel im Hauptwerke erreicht, im\n Ganzen auf befriedigende Weise vorbereitet. Das unverkennbare staatsmännische\n Verdienst jener trefflichen Arbeit bildet nur den minderen Theil des Anspruchs,\n welchen dieselbe ihren Urheber auf [sic!] den Dank und die Bewunderung des Landes und\n eines jeden katholischen Gemüths verleiht. Offenbar hat der Geist des Herrn\n dabei mitgewirkt; und Er wird das Werk vollführen und die Stellung segnen,\n welche Oesterreich damit in der\n katholischen Welt des In- und Auslandes eingenommen hat und durch welche\n dasselbe die ihr gebührende feste und würdige Haltung, das lange vernachläßigte\n Hauptelement seiner moralischen Macht wieder gewinnt. Seit mehr als siebenzig\n Jahren hatte unsere Regierung gegen die Kirche einen unerfreulichen Krieg\n geführt, une guerre de Chicane; zum ersten Mahle führt sie jetzt gegen dieselbe eine\n ehrliche Sprache und geht auf eine offene Verständigung mit ihr ein.Habe\n ich nöthig Ihnen zu sagen, theuerste Gräfin, wie wohl es mir thut, meine Gefühle\n bei einer solchen That auf einen geliebten Freund, auf den Sohn der unvergeßlichen Gräfin Therese beziehen zu können,\n die wir als Heilige verehren und deren Segen so sichtbar über ihm waltet. Seit\n 45 Jahren besteht das Band, das mich an Ihr Haus knüpft und welches alle damals\n noch ungeborne Glieder desselben umschließt: Darin liegt mein Anrecht, Ihnen\n diesmal meinen herzlichen Glückwunsch darzubringen und denselben durch Sie,\n theuerste Gräfin, an den vielbeschäftigten Gemahl, an Ihre verehrte Frau Mutter, an Ihren lieben Schwiegervater, an alle\n die Ihrigen, meinen vortrefflichen Fritz und seine Leopoldina, welche wohl noch in Wien\n verweilen, nicht davon ausgeschlossen, zu richten.Der Empfang der Wiener\n Zeitung vom 21. war für mich ein wahrer Festtag; auch meine Hausgenossen nahmen\n daran Theil und der Vortrag wurde zur Freude und Erbauung\n aller im Refectorium verlesen.Also nochmals Gottes Segen sey über Ihnen\n allen!Verzeihen Sie mir meine Zudringlichkeit Ihnen zu schreiben; der Drang\n des Herzens gebot es mir.Erhalten Sie mir Ihr gnädiges Wohlwollen und\n genehmigen Sie den Ausdruck meiner treuen Verehrung.\n \n'b'Senfft\n \n'3
b'<Mir von Fürst Felix\n Schw[arzenberg] damals übergeben> Randbemerkung von Thun\n \n \n'b'Auszug aus einem Schreiben ddt. 18. August 1849\n \n'b'Professor Hirscher in\n Freiburg hat eine Schrift („Die kirchlichen Zustände\n der Gegenwart“) Vgl. Johann Baptist Hirscher, Die socialen\n Zustände der Gegenwart und die Kirche, Tübingen 1849, Neudruck Frankfurt\n 1973.ausgehen lassen, welche, wenn nicht ein halbes Wunder den\n natürlichen Lauf der Dinge hemmt, Bewegungen im katholischen\n Deutschland hervorrufen wird, neben welchen das\n Rongescandal Der katholische Kaplan Johannes Ronge aus\n Oberschlesien protestierte 1844 in einem offenen\n Schreiben gegen die Trierer Wallfahrt von\n 1844 und gegen die Verehrung der dort ausgestellten Reliquie, des Rockes\n Christi. Er prangerte die Wallfahrt als Götzenfest an und wandte sich gegen\n die Auswüchse der Kirchenlehre, weshalb er von der katholischen Kirche\n exkommuniziert wurde. 1845 gründete er eine neue „romfreie“\n deutschkatholische Kirche, die spätere freireligiös genannte Bewegung.\n als ein weit geringeres Übel verschwinden dürfte. Das Wichtigste und\n Übelste daran ist, daß sie die Fahne der Rebellion des niedern Clerus gegen die\n Bischöfe aufpflanzt. Was das deutsche Episcopat dagegen thun wird, weiß ich zur\n Stunde noch nicht. Was ich aber aus gewissen, mir bekannten Prämissen heute\n schon mit Bestimmtheit voraussagen kann, ist ein Anathem Exkommunikationvom Heiligen Stuhle, welches in wenigen Monaten,\n vielleicht noch früher, erfolgen wird:Nun weiß ich ex certa scientia, daß\n Graf Thun sich über Hirscher und seine neueste\n Schilderhebung mit Enthusiasmus geäußert hat.Ich kenne den Grafen persönlich und seine Äußerungen\n machen mich nur besorgt, aber nicht irre in meiner, sonst sehr günstigen Meinung\n über seinen Character und seine Denkweise. Er kennt aber gewisse factische\n Verhältnisse nicht und hat sich mit jenen Fragen nie ex professo beschäftiget.\n Zudem ist die Hirscher‘sche Schrift mit großer List und Kunst, gerade auf die\n Berückung edler, aber der Sache unkundiger Gemüther berechnet. Auch habe ich die\n eben mitgetheilte Notiz nicht aus dem Berichte solcher geschöpft, die dem neuen\n Minister übel wollen, sondern\n die ihn aufrichtig hochverehren und in anderen Beziehungen, namentlich in\n Betreff seiner richtigen Würdigung des Einflusses der Kirche auf die\n Wiederherstellung der Ordnung im Staate, nicht genug rühmen konnten. Ich bin bis\n jetzt noch immer der Meinung, dass die Wahl des Grafen L[eo] T[hun] die beste war, die getroffen werden konnte.Desto\n nothwendiger ist es, ihn zu conserviren. Zu diesem Ende muß um jeden Preis\n verhütet werden, daß er seine oben bezeichnete Ansicht von der Hirscher’schen\n Sache fixirt. Ein offener und fester Character, wie\n Graf T[hun] wäre unfähig, nicht nach seiner einmal festgestellten Auffassung zu\n handeln und die weitere Folge davon könnte keine\n andere sein, als 1) in allerkürzester Frist maaßloses Unheil und unheilbare\n Verwirrung (namentlich in Böhmen!) und 2) als letztes Resultat\n derselben, daß er selbst im Laufe eines halben Jahres „unmöglich“ wäre. Die\n Aufgabe ist also: zu bewirken, daß er sein Urtheil einstweilen suspendire, guten\n Rath höre, nach und nach seine Meinung berichtige, einstweilen aber sich aller\n Äußerungen enthalte, die denen, welche jetzt die Revolution auf das Gebieth der\n Kirche verpflanzen wollen, Hoffnungen erregen, die Katholiken aber mit Mißtrauen\n erfüllen, überhaupt Vielen, die ihm nicht wohl wollen, Waffen\n gegen ihn in die Hand geben könnten.\n \n'5
b'Hochgeborner Graf!Hochzuverehrender Herr Staatsminister!\n \n'b'Eurer Excellenz erlaube ich mir nachträglich zu meinem letzten Schreiben in der\n Angelegenheit des Herrn Prof. Dr.\n Koch, anliegend eine soeben hier erschienene kleine Schrift\n desselben ergebenst zu übersenden, woraus Euer Excellenz Sich Selbst überzeugen\n wollen, daß die von Dr. Koch\n beabsichtigte oder gewünschte Aufstellung seines merkwürdigen fossilen\n Riesenthieres in Wien, allerdings durch das lehrreiche\n Interesse, welches sie bietet, Hochdero Unterstützung behufs der kostenfreien\n Anweisung eines geeigneten Locales wohl verdient, um welche ich daher im Namen\n des wackern Mannes nochmals recht angelegen bitte.Zugleich erlaube ich mir\n in redlichem Vertrauen Eurer Excellenz einen gestern von Herrn Geheimenrath\n [sic!] Dr. Brüggemann\n (gegenwärtig in Erfurt) erhaltenen Brief aus dem Grunde\n zur gefälligen Einsicht mitzutheilen, weil darin eine, auch Eure Excellenz nahe\n betreffende Angelegenheit berührt wird, die Berufung nämlich preußischer\n Professoren nach Oesterreich. Ich kann es nicht läugnen, daß\n diese Maßregel, und insbesondere manche der Personen, auf welche sie sich\n erstreckt, hier und anderwärts in intelligenten Kreisen Gegenstand des\n Befremdens und der Besorgnis geworden, und daß man sich fragt, ob\n Oesterreich denn nicht schon hinlänglichen eigenen\n Vorrath an auflösenden und zersetzenden Elementen habe, daß es sich derlei\n Stoffe künstlich von außen importire und einimpfe? Insbesondere nennt man hier\n einen GelehrtenGemeint ist wohl Hermann Bonitz., der mit seinen\n Vorschlägen dabei zu Rathe gezogen seyn soll, und dem man wohl philologisches\n Wissen, umso weniger aber alles andere zuerkennen will, worauf es bei der\n Auswahl der Jugendbildner, zumal für ein katholisches Land, doch zunächst\n ankommen dürfte. – Geheimrath Brüggemann, der das katholische Studienwesen im preußischen\n Cultusministerium leitet, war kürzlich hier, und wir sprachen auch gelegentlich\n über jene, von Eurer Excellenz gewiß, woran niemand zweifelt, in der allerbesten\n Absicht zugelassenen Berufungen, und an dieses Gespräch knüpft sich der gestrige\n BriefDer erwähnte Brief ist nicht überliefert.,\n den ich Hochderselben nicht vorenthalten zu dürfen glaube, bittend jedoch, daß\n diese Mittheilung als eine des engsten Vertrauens angesehen werden wolle.\n Geheimrath Brüggemann ist ein\n durch Charakter und wissenschaftliche Bildung gleich sehr ausgezeichneter Mann,\n und dabei von inniger katholischer Gesinnung und Glaubenstreue beseelt, wie sein\n Auftreten in der preußischen Kammer bewiesen [sic!]. (Seine durch ein momentanes\n Augenleiden unglücklicher Weise noch unleserlicher gewordene Handschrift bitte\n ich zu entschuldigen; ich habe mich bemüht, durch Nachhülfe der Züge das\n Dechiffriren möglichst zu erleichtern.)Wird denn unsre vorigjährige so\n mühsame Episkopalconferenz nicht endlich einige Früchte tragen? Es wäre wohl an\n der Zeit! – Möge man auch erkennen, daß es, namentlich bei der heutigen\n politischen Weltlage, für einen katholischen Staat gewiß eine Forderung der\n Klugheit, geschweige der Gerechtigkeit ist, der katholischen Kirche gegenüber\n sich mindestens ebenso liberal zu beweisen, wie das erzprotestantische\n Preußen. – Möge es dem gerechten redlichen Willen Eurer\n Excellenz, von welchem ich vollkommen überzeugt bin, bald gelingen, die\n entgegenstrebenden Hindernisse zu beseitigen oder zu besiegen, und die\n Verfassungsverheißungen, die in diesem Punkte unzweifelhaft\n edle Errungenschaften sind, wahr zu machen! \n \n'b'Mit vollkommenster Hochachtung habe ich die Ehre zu geharren\n \n'b'Eurer Excellenzganz ergebenster DienerM.\n DiepenbrockFürstbischof\n \n'b'Breslau, den 4. April 1850\n \n'3
b'Ehe die Frage erörtert werden kann, ob es thunlich – oder gar nothwendig, daß die\n Grenzregimenter unter die Leitung der Oberbehörde der betreffenden Kronländer zu\n stellen oder wie bisher unmittelbar unter dem Kriegsministerium zu verbleiben\n und als Mittelsbehörde nur jene militärischen Stellen in den Provinzen haben\n sollen, welche die bisherigen Generalcommanden ersetzen; – muß erörtert werden,\n was eigentlich mit der Grenze geschehen soll.In der octroirten Verfassung\n sind im Bezug derselben zwei Berührungspunkte, welche sich scheinbar geradezu\n wiedersprechen.Der eine Paragraph sichert allen Staatsbürgern ohne Ausnahme\n gleiche Berechtigungen – also auch den Grenzern.Der andere Paragraph stellt\n fest, daß die Grenze bleiben soll wie sie ist. In der praktischen Ausführung\n lassen sich mit kluger Umsicht diese scheinbaren Wiedersprüche der Art vereinen,\n daß Beiden genüge geleistet wird.Daß das Grenzinstitut zeitgemäße\n Änderungen, respective Verbesserungen bedarf, unterliegt keinen Zweifel.Es\n wurde demgemäß auch schon ein Entwurf ausgearbeitet. So viel Gutes dieser\n Entwurf enthält, so hat er nach meiner Ansicht doch Ein Hauptgebrechen.Es\n stellt ein neues System hin und nimmt aus dem Alten auf, was gut ist.Meine\n Meinung wäre, das Alte in der Hauptsache als Basis zu lassen und auszuscheiden,\n zu verbessern, was nicht mehr zeitgemäß oder durch falsche Maßregeln verdorben\n wurde.Das ursprüngliche Grenzgrundgesetz ist schön und gut, nur\n größtentheils zum Formenwesen herabgezerrt.Ein zweiter Übelstand, daß seit\n einer Reihe von Jahren nur alles Jenes Geltung fand, was die Ausgaben minderte –\n die Einnahmen vermehrte – ohne Rücksicht der Folgen.Durch zweckmäßige\n Änderungen diese Lasten dem Grenzer zu nehmen, das Unhaltbare aus dem alten\n System auszuscheiden, ist erste Aufgabe.Bei jedem dieser Schritte wohl zu\n erwägen, daß durch selben das als Bedingnis aufgestellte militärische Prinzip\n nicht geschwächt, im Gegentheil gekräftigt werde: Hauptrücksicht. Aus der\n Schwierigkeit dieser Arbeit geht schon die Unmöglichkeit hervor, diese neue\n Gestaltung die da werden soll, wie aus einem Gusse hinzustellen, um so mehr als\n alle administrativen Änderungen im Vorhinein schlecht genannt werden könnten,\n wenn sie nicht Hand in Hand analog den neu zu schaffenden Institutionen im\n nachbarlichen Provinziale gehen würden.Ja, es ist nicht zu zweifeln, daß\n das Durchführen der neuen Verwaltung durch solch ein einseitiges Vorgehen auch\n in den nachbarlichen Provinziale gehemmt würde, da in vielen, ja den meisten\n Fällen die Berührungspunkte in der Grenze liegen.Die einzelnen Fälle hier\n anzuführen, in welchen diese Berührungspunkte vorkommen, erforderte ein eigenes\n Elaborat.Ich getraue mir jedoch zu beweisen, daß sowohl in politischer und\n administrativer als auch selbst in rein militärischer Beziehung die schroffe\n Abscheidung der Grenzregimenter von der Oberbehörde der betreffenden Kronländer\n ein Mißgriff wäre.Man bezeichne in bestimmten Zügen wie und in welcher Art\n in der Militärgrenze die reine Militärverwaltung ferner bestehen solle und lasse\n alle anderen Verfügungen Hand in Hand mit den neuen Gestaltungen in den\n Provinziale gehen, immer mit der Bedingnis als unabänderliche Rücksicht vor\n Augen gestellt, daß die der Grenze analog dem Provinziale anzupassenden\n Veränderungen dem militärischen Prinzipe nicht störend entgegen treten. Ich lebe\n der Überzeugung, daß auf diese Art der Grenzer des größten Theils der Vortheile\n und Begünstigungen theilhaftig wird gemacht werden können, welche jeden andern\n Staatsbürger treffen und daß er auf diese Art sicher zufrieden gestellt werden\n wird, wenn er solcher Institutionen auch entbehren muß, die man ihm nicht geben\n kann, wenn man nicht an den Militärischen rütteln will.Dahin gehört\n vorzugsweise die Vertretung auf dem Landtag.Die gewichtigsten Fragen,\n welche wenigstens auf den ersten Landtagen zur Sprache kommen werden,\n sind:1. die Entschädigungsfrage 2. die SteuerbewilligungMit\n diesen beiden Fragen hat der Grenzer gar nichts zu thun, denn von einer\n Entschädigung der erlaßenen Robbot ist keine Rede und der Steuerfuß ist für\n denselben ebenfalls nach einen ganz andern Maßstab bemessen als für jeden andern\n Staatsbürger, da der Grenzer mehr mit seinem Blute leistet.Ebenso bleiben\n dem Grenzer alle anderen Fragen über innere Organisation, Adminstration des\n Provinziale gleichgiltig und fremd; vorausgesetzt, daß seine Gemeindeordnung auf\n die ursprüngliche Reinheit, wie diese bestanden, zurückgeführt\n wird.Scheidet man noch jene Gemeindeschaften aus der Grenze aus, welche im\n Laufe der Jahre, besonders durch Handel, der Art sich gehoben, daß die\n Grenzinstitutionen nicht mehr für sie passen und verleibt sie dem Provinziale\n ein (die bestehenden Communitäten), so kann man die Hauptelemente der Störung\n für die Ruhe der Grenzer als beseitigt betrachten und guten Muthes der Zukunft\n entgegen sehen.Es ist daher meine bestimmte Meinung, daß die\n Grenzregimenter unmittelbar unter der Leitung der in den betreffenden\n Kronländern eingesetzten, wie immer Namen habenden Oberbehörden stehen und nur\n durch diese ihre Anknüpfung an das allerhöchste Armeeobercommando – in rein\n militärischer an das Kriegsministerium – in administrativer Beziehung finden\n sollen.\n \n'b'Wien, den 22. November 1849\n \n'b'Puffer\n \n'4
b'Lieber Leo,\n \n'b'Mit dem innigsten Bedauern habe ich gehört, daß Caroline an den Blättern liegt! Du\n armer Kerl! Das ist ja eine entsetzliche Plage für dich und für sie! Du kannst\n sie nicht pflegen – das ist natürlich – und ihre Bekannten werden es mit Angst\n vor Ansteckung nicht!!Nun komme ich mit einer recht unverschämten Anfrage!\n Ich kann in der jetzigen Zeit nicht abkommen – sonst wäre ich gekommen, obwohl\n ich zum Pfleger einer Krankenden wohl kaum tauge höchstens zur Wache und zum\n Vorleser!Aber es war der erste Gedanke meiner Frau, ob sie nicht – falls\n sich Caroline ihrer nicht\n schämt – als Krankenpflegerin am Platze wäre? Sie ist in der Hoffnung und also\n (worüber ich Jaksch noch fragen würde)\n vor jeder Ansteckung, so viel ich weiß, sicher. Mit den Kindern könnte ich schon\n allein fertig werden, Gott sei dank ist alles gesund. Auf 8 Tage käme sie also,\n wenn ihr sie brauchen könnt, sehr gern, ihr brauchtet ja keine Umstände mit ihr\n zu machen und besser als eine fremde Krankenwärterin wäre sie gewiß.Schreib\n mir also gleich – ganz offen ob ihr sie auf etwa 8 Tage brauchen könnt – Wenn es\n Jaksch wegen der Ansteckung erlaubt,\n so käme sie denn gleichVon ganzem HerzenDein Franz\n \n'b'1850.12.4.\n \n'b'\n Meine Frau fürchtet, daß Ihr\n glauben könntet, sie wolle sich mit dem Antrage nur protzig\n machen – davon denke ich sind wir bei Euch aber sicher. An so was denkt niemand\n weniger als sie – im Gegentheil hält sie den Gedanken\n noch von so Manchen zurück!!\n \n'6
b'München, am 5. Oktober 1849\n \n'b'Lieber Leo,\n \n'b'erst heute bin im Stande auf deinen Brief vom 18. September zu antworten.\n Jarke [Jarcke] kam am Tag nach\n Empfang des Packets durch Ruben hier an, ich übergab ihm also zuerst dasselbe,\n da es von meiner Seite doch nur Neugierde gewesen wäre es durchzulesen, ich auch\n nicht sobald dazu gekommen wäre. Schreiben wollte ich dir aber erst bis ich auf\n deine Anfragen einige Auskunft geben konnte, nun war aber Phillipps [Phillips] auf einer Reise in\n Tirol, von wo er erst am 8. dieses zurück erwartet wurde,\n doch unternahm es Jarke, der wußte,\n wo ihn aufzufinden, ihm sogleich zu schreiben und darauf kam er gleich zurück\n und war heute früh bei mir; und nun nach der Ordnung:1.\n Phillipps ist bereit einen Posten in Insbruck [Innsbruck] anzunehmen,\n weniger als 2.000 fl CM Gehalt wäre ihm nicht möglich festzustellen, da er für\n zu seinen litherarischen Arbeiten nothwendigen Büchern viel Geld braucht,\n besonders, wenn er an einem Orte ist, wo ihm nicht eine so reichhaltige\n Universitätsbibliothek wie hier zu Gebothe stünde; ferner habe er sich durch\n seine Praxis überzeugt, daß um einen Einfluß auf die Schüler zu haben und\n namentlich ihr Interesse an dem Studium zu beleben, das Katheder das Geringste\n sei, sondern man muß ihnen das eigene Wort angenehm machen, sie des Abends bei\n sich sehen, etc., was auch wieder Auslagen mache, doch mit 2.000 fl CM wolle er\n sich begnügen; das Fach für welches er ernannt zu werden wünscht ist Kirchenrecht, von der Freiheit andere Collegien zu\n lesen würde er auf jeden Falle Gebrauch machen, da er sich mit Vorliebe seit\n langem auch mit dem Staatsrechte und den Verfassungen\n Englands, Deutschlands etc. abgebe;\n die Kollegiengelder, die in Aussicht gestellt werden, seien freilich sehr\n geringer (ungefähr die Hälfte von den hiesigen) indessen geht er darauf ein;\n rücksichtlich des Pauschales für Übersiedlungskosten konnte er mir im Augenblick\n nicht bestimmen, wird es sich aber überlegen und mir sobald möglich Antwort\n geben, sagte aber die Summe dürfte vielleicht etwas hoch scheinen, woran aber\n eben seine sehr bedeutende Bibliothek Schuld sei. Rücksichtlich des gleich eintreten Können macht er die größten\n Schwierigkeiten, da er verheirathet ist und hier ein eigenes Haus hat, was alles\n Voranstalten braucht, am liebsten wäre es ihm freilich, wenn er erst zum\n nächsten Semester eintreten könnte, indessen ist er auch darüber traitable,\n sagte aber er müßte auch darüber erst mit seiner Frau Rücksprache nehmen und\n würde mir Antwort sagen, eine Hauptschwierigkeit meint er würde sein, daß er\n jetzt kaum mehr eine Wohnung in Insbruck\n fände und folglich den Winter im Wirthshaus zubringen müßte, doch glaubt wird\n sich das Alles machen, da er offenbar gern in oesterreichische Staatsdienste\n tritt, und ich glaube es würde nur fördernd sein, wenn du mich wissen ließest,\n bis wann du spätestens wünschst, daß er gewiß eintrete, zum Anfang des\n Schuljahres, wenn dasselbe wirklich mit 15. dieses angeht, wäre es wohl\n unmöglich. Hinzu fügte er aber noch folgendes: sich Freiheit in seinen Vorträgen\n und für seine schriftstellerischen Arbeiten (er ist eben mit einem sehr\n ausführlichen Kirchenrecht beschäftigt, von dem 4 Theile schon heraus gekommen\n sind und noch 7 erscheinen sollen) also in Rede und Schrift auszubedingen,\n glaube er, sei im gegenwärtigen Augenblick überflüssig. Aber über eines müsse er\n Gewißheit haben, daß er nähmlich nicht risquire plötzlich wider seinen Willen\n versetzt oder suspendirt zu\n werden, beides sei ihm nun schon zweimal, hier und in\n Preußen geschehen, und demselben könne er sich bei seinem\n Alter von 45 Jahren nicht mehr einem 3. Mahl aussetzen. Er habe zwar Alles\n Vertrauen in das gegenwärtige Oesterreichische Ministerium, indessen seien die\n Fälle doch schon vorgekommen und namentlich habe das Beispiel Hurters, der voriges Jahr, nachdem\n er nach Oesterreich berufen worden sei, fortgeschickt worden\n ist, ohne irgend etwas zu bekommen, hier sehr ängstlich gemacht umsomehr als man\n sagt, das habe geschehen können, weil er noch nicht 3 Jahre angestellt gewesen\n sei, folglich noch keine Ansprüche gehabt habe. Darüber wünscht er nun nähere\n Auskünfte zu haben. Übrigens frug er mich auch noch, ob man an eine gründliche\n Erneuerung der Insbrucker\n Universität denke oder er das einzige isolirte neue Element sei,\n im solchen Fall er sich mit den bisherigen Herrn Collegen wenig Erfolg\n verspricht.2. Döllinger\n scheint mir vor der Hand nicht zu vermögen in unseren\n Dienst überzutreten, er sagte mir er habe gegründete Aussicht, daß er bald auch\n hier wieder eine Lehrthätigkeit erhalte, die ihm freilich am meisten zusage,\n übrigens entschließe man sich in seinem Alter nur sehr schwer, in ganz\n veränderte Verhältnisse überzutreten, am meisten erschrack er offenbar vor der\n Zumuthung nach Prag zu gehen, wo er\n das Terrain ganz ungünstig glaubt, in welchem Falle er dann ganz isolirt\n dastehen und sonach seine Wirksamkeit gänzlich gelähmt sein würde. D[öllinger] ist übrigens ein Mann der sich\n sehr wenig ausspricht, und ich bin ihm ganz fremd, ich glaube beinahe man würde,\n wenn man ihm günstige Bedingungen stellte und nicht\n auf Prag beharrt, doch noch etwas erreichen können, ich\n werde Jarke noch bemühen, um ihn\n sondiren und bearbeiten zu lassen, natürlich, als wenn es von ihm käme,\n vielleicht höre ich dann wenigstens etwas bestimmtes, denn meine Unterredung mit\n ihm machte mir den Eindruck, als ob er mich ankommen lassen wollte.3. Mit\n Prantl habe ich unter der Hand\n sprechen lassen, er wäre nicht abgeneigt in österreichische Dienste zu treten,\n wenn er sich dadurch verbessert, doch schließt er\n Krakau und Lemberg aus, am liebsten schien ihm\n Graz zu sein, übrigens wäre er\n nicht sehr verwöhnt, er hat hier 700 fl Gehalt und rechnet sich eine\n wöchentliche Vorlesestunde auf 2 fl Collegiengelder, hat aber, da er selbst und\n seine Frau ihre Eltern hier haben manche Erleichterungen für’s tägliche Leben,\n die er vielleicht in Anschlag bringen dürfte; außerdem glaube ich wäre es gut,\n wenn man ihm gleich einen bestimmten Antrag stellte, vielleicht der Art, daß du\n ihm ein Minimum anträgst und mir ein Maximum angibst, bis auf welches ich gehen\n könnte.Rücksichtlich der Einrichtung der Volksschulen habe ich die\n bestimmten Daten noch nicht empfangen, doch hoffe ich sie bald zu bekommen und\n schicke sie dir dann gleich. Über die endliche Aussicht des Zustandekommens\n einer neuen provisorischen Centralgewalt ist man hier sehr froh, von der Pfordten ist mit der\n Punktation ganz zufrieden. Beiliegend ein Zettel von Juža [Josefine], Abschrift aus\n einem Briefe von Veith\n Diese Abschrift liegt dem Brief bei., mit Warnung\n gegen Bischof Dietrich [Dittrich], in\n diesem Sinne habe auch ich schon hier über ihn urtheilen hören, dann noch ein\n Einschluß von Franz\n Diese Beilage ist nicht vorhanden.. Caroline solle mir verzeihen, daß\n ich ihr noch nicht auf ihren freundlichen Brief vom 17. September geantwortet.\n Ich habe ihn schon angefangen, komme aber heute nicht zu Ende und nun ist\n Poststunde. Also Gottbefohlen\n \n'b'dein\n \n'b'treuer Bruder\n \n'b'Fritz\n \n'5
b'Durch Ihre gütige Aufforderung, Ihnen verehrtester Freund, meine Ansichten über\n Volkserziehung und dgl., auch allenfalls etwas über den ministeriellen\n Organisationsentwurf für Gymnasien mitzutheilen, haben Sie mich auf Fragen des\n staatlichen Lebens und Wirkens aufmerksam gemacht, die ich nie ins Einzelne\n verfolgt, sondern nur immer in ihren allgemeinem Verhältnissen zur politischen\n Staatseinrichtung in meinen Betrachtungen berührt habe und die mir so weit\n geläufig sind, als sie mit meiner Philosophie und Staatswissenschaft\n Berührungspunkte biethen. Die große Literatur in und außer\n Deutschland in diesem Fache ist mir so gut wie ganz\n unbekannt, die Verordnungen des Unterrichtsministeriums sowie der Organisationsentwurf sind mir\n aus theilweiser gelegentlicher Lesung nur dunkel erinnerlich. Wäre mein Geist\n von Thätigkeit anderer Art frei und mir eine längere Zeit zur Verarbeitung einer\n so großen Idee gegönnt: dann würde auch die Mittheilung eine vollendetere, Ihrer\n Aufmerksamkeit werthere Gestalt erhalten haben, aber so bei der Eingenommenheit\n meines Kopfes von anderen Betrachtungen und der Frist von einigen Tagen, die ich\n dieser Mittheilung widmen kann, muß ich auf die freundschaftliche Nachsicht\n Anspruch machen. Nur jene Punkte will ich berühren, die ich als Angelpunkte der\n Volkserziehung und besonders in Östreich\n betrachte und deren Einfluß ich in dem Verfahren der obersten\n Erziehungsbehörde, obwohl diese in ihren Verordnungen und\n Anstalten die erleuchtesten Grundsätze und die liberalsten Ansichten an den Tag\n legt, vermisse oder zu vorherrschend erblicke, woraus Sie sich, wie ich hoffe,\n überzeugen werden, wie hoch und schwierig ich die Aufgabe unserer obersten\n Erziehungsleitung, des Unterrichtsministeriums anschlage, und worin ich die\n Wahrscheinlichkeit zur wenigstens theilweisen Lösung ersehe.Alle andern\n Begriffserklärungen des Wortes und Dinges Staat übergehend, fasse ich bloß die\n Erklärung aus dem Zwecke des Staates, insofern er diesen Namen verdient, also\n des Rechtsstaates, hier ins Auge, und als solcher ist dieser\n das einzige Mittel, in welchem die Gesellschaft und jedes ihrer Mitglieder ihr\n höchstes irdisches Gut zu verwirklichen und den Himmel hienieden erreichen kann.\n Ohne die Anstalt des Staates ist die Erreichung dieses Zweckes für den Einzelnen\n wie für die ganze Gesellschaft nicht gesichert, ja nicht recht denkbar. Der\n Staat ist eine so heilige Anstalt, als heilig das höchste Gut des Menschen ist,\n weil sich selbst eine überirdische Glückseligkeit ohne das harmonische irdische\n Leben nicht erreichbar denken läßt. Die Staatsglieder werden nur soweit den\n Staat lieben, seine einträchtliche Existenz sichern und schützen, soweit ihre\n Kenntnis und Liebe von ihrem höchsten Gute reicht, und sie die Überzeugung\n gewinnen, daß nur der Staat das einzige Mittel sei der gewissen Erreichung\n dessen, was sie anstreben sollen, und in der Regel, wenn auch auf irrigen\n Bahnen, anstreben. Hieraus ergiebt sich, daß die Staats[an]gehörigen Wissende,\n Unterrichte[te], Erzogene sein müssen und sollen, um die Existenz und\n Prosperität des Staates zu verbürgen und nicht durch Indolenz oder Fehlgriffe zu\n vereiteln. Dieses von seinen Mitgliedern zu verlangen, dieses von jedem\n Zurechnungsfähigen, und nur ein solcher kann als Staatsmitglied betrachtet\n werden, ist der Staat berechtigt also auch verpflichtet, so heilig verpflichtet,\n als heilig der Staatszweck ist. Dieses als unbezweifelbar angenommen, gelangt\n man zu der Schlußfolgerung: der Staat ist berechtigt, ist verpflichtet, alle\n Mittel in Bewegung zu setzen und in Anspruch zu nehmen, seine Mitglieder dazu zu\n zwingen, daß das Wissen von dem höchsten Gute des Menschen im Staate immer mehr\n erkannt und die Erreichung desselben durch die Erwerbung von materiellen und\n moralischen Mitteln auf dem Wege der Erziehung dem Volke gesichert werde. Der\n Staat hat das Zwangsrecht der Erziehung, der Erreichung der dazu erforderlichen\n Mittel. Aus diesem Standpunkte ist auch auf das Gemeinde- und Kircheneigenthum\n und den so oft besprochenen Schulzwang herabzusehen, dessen Aufhebung wie in\n Galizien keine guten Folgen gehabt, und der vielmehr so\n allgemein als möglich eingeführt werden sollte.Der Staat begegnet in seinem\n Berufe der Volkserziehung ähnlichen Strebungen der Religion oder eigentlich der\n verschiedenen religiösen Sekten, die den Menschen durch die Macht des Glaubens\n sittlich und dadurch glücklich oder eigentlich glückselig zu machen sich\n bemühen. Dem Staate kann es nur willkommen, nur förderlich sein, wenn eine\n solche aus dem Innern des Staatsbürgers gleichsam in den Staat hineingebrachte,\n weil im Einzelnen gegründete Macht, sich an seine Absichten und Zwecke\n anschließt. Gäbe es ein religiöses System mit den Grundsätzen des Rechtsstaates\n ganz im Einklange stehend, wie man das z. B. vom reinen Christenthum annimmt,\n wäre die Religion nicht ein inneres, persönliches Eigenthum und also der\n Willkühr des Individuums anheimfallend, nach seiner Wesenheit durchaus nicht\n erzwingbar, wäre das reine Christenthum nicht bloßes Ideal und Idee, nur durch\n die verschiedenen christlichen Glaubensspaltungen zur Erscheinung kommend: so\n könnte wohl ein solches System aber nur anscheinend und vorübergehend zur\n Staatsreligion und zum Staatserziehungsinstitut werden, anscheinend und\n vorübergehend, weil der Mangel der Erzwingbarkeit es illusorisch machen würde.\n Östreich wegen des Bekenntnisses der\n Dynastie und der Mehrheit der Staatsgehörigen für einen christlichen und\n specifisch christkatholischen Staat zu halten, ist aus obigen Grunde und auch\n deswegen nicht zulässig, weil es dem Staate nicht recht zukommt, sich mit der\n Classifizirung der Begriffsunterschiede der Religionsbekenntnisse über die\n allgemeine Zulässigkeit hinaus derselben als Gemeinschaften zum Genusse des\n Staatslebens zu befassen oder gar die Staatsgehörigen und besonders nach dem\n äußeren und veränderlichen Scheine ihrer religiösen Zugehörigkeit zu beurtheilen\n und abzuzählen. Östreich sei ein\n Rechtsstaat und seine Bewohner brave Staatsbürger! Die Staatsregierung hat einen\n gerechten Grundsatz dadurch ausgesprochen, daß sie die persönliche\n Religionsansicht und häusliche Religionsübung ganz freigiebt, den Glauben, das\n Lehramt und die Ausübung der Gewissensdisciplin der aufgenommenen Kirchen durch\n nichts stört, und die öffentliche Berechtigung entstehenderKorrektur aus: neuer Sekten von ihrer Bewilligung abhängig macht,\n weil das Bestehen einer Religionsgenossenschaft selbst schon etwas Äußeres ist\n und Handlungen bedingt, die dem Staatszwecke nicht gleichgültig sein, sondern\n oft mit demselben feindlich zusammenstoßen können. Aber dieses alles wird für\n die Bildung und Sittlichkeit wird es nicht genügen [sic!], wenn der Staat das\n gesetzliche Bestehen von auftauchenden Sekten auch dann hindern wollte, wenn ihr\n Bekenntnis mit den Staatsgrundsätzen nicht im Widerspruch erschiene, weil man\n dem Disidenten zumuthen würde, sich an die schon bestehenden anzuschließen, und\n diese können ihm vielleicht keine zusagen. Auch bin ich der Meinung, daß dem\n Staate von daher keine Gefahr bevorstehe und daß alle Meinungsverschiedenheiten,\n selbst die Ausgeburten des Socialismus und des unsinnigen Communismus, sich\n durch fortschreitende Volkbildung endlich in dem wahren Verständnis des\n sittlichen Staates versöhnen und ausgleichen werden.Ganz unrecht hat aber\n der Staat, wenn die Bildung und Erziehung eines Theiles oder des ganzen Volkes\n bei einer oder mehrerer Sekten gelassen wird. Der Staat darf die Erfüllung\n seiner heiligsten Pflicht, seiner Hauptaufgabe nicht der Discretion einer\n Partheiung, eines besonderen Kirchenthums überlassen, sich dadurch seiner\n Berechtigung begeben, also auch die Verantwortlichkeit dafür unmöglich machen,\n sollten auch die Lehrsätze eines solchen im stärksten Einklange mit dem\n Staatsgrundgesetze erscheinen. Der Staat, über jeder Partheiung auf den\n unwandelbaren Grundlagen des Rechtes als höchste Sittlichkeitsanstalt die\n erhabenste Stufe auf Erden einnehmend, übersieht alle Religionsunterschiede, wie\n weit dieselben in die Erscheinung tretend mit seinen Zwecken nicht collidiren\n und vermeidet jeder Nothwendig[keit] sich auf ihre Hülfe stützen zu müssen:\n deshalb erzieht er seinen Bürger mit Vermeidung jeder Controverse selbst, wird\n nie den Unterricht der jungen Staatsbürger der vorherrschenden Leitung einer\n Kirche überlassen und sich um die Erziehung der Kinder anderer Kirchen wenig\n oder gar nicht bekümmern, d. h. wird die Elementarschulen nie bei der Kirche\n lassen, ohne wenigstens ihre Leitung in seiner Hand zu behalten, was aber schon\n gefährlich ist, denn gerade das kindliche Alter ist am empfänglichsten, gerade\n die allermeisten Staatsbürger müssen sich mit der Bildung der Elementarschule\n begnügen. Mir aber scheint es, daß der katholischen Priesterschaft ein zu großer\n Einfluß bei der Bildung des Unterrichts der katholischen Jugend gegeben, der\n Unterricht der Jugend anderer Kirchen beinahe ganz übersehen sei, daß höhere\n Lehranstalten z. B. Gymnasien als Confessionsschulen erhalten oder in solche\n verwandelt werden, wenn nur die Sekte die Dotirung übernimmt. Ist es dem\n Staatszwecke ganz entsprechend, daß der Staat durch die Befähigung von\n Privatlehren auch die elterliche und häusliche Erziehung überwacht, weil alle\n Staatsgehörigen sein Eigenthum sind, und es nie gleichgültig sein kann, wie die\n kleinen Staatsbürger zur Erreichung ihrer Bestimmung und der des Staatszweckes\n herangebildet werden: so ist es umso mehr recht, daß der Staat die Oberleitung\n der Confessionsschulen, wo sie etwa bestehen müßten, führe und nicht erlaube,\n daß solche Confessionsschulen bestehen, worin die zarte, unzurechnungsfähige\n Jugend, bevor dieselbe nach den allgemeinen, vom Staate angeordneten Verfahren\n der öffentlichen Erziehung zum selbstständigen Urtheil herangebildet ist, für\n besondere religiöse Kirchen- und Körperschaftszwecke gleichsam gefangen genommen\n wird, woraus für die Betheiligten, so oft Getäuschten und für die Gesellschaft\n Nachtheil entstehen muß. Die Vollendung eines bestimmten Lebensalters und eines\n bestimmten Kreises der Erziehung in den allgemeinen Staatsunterrichtsanstalten\n müßten als Bedingung des Eintrittes des Minderjährigen in eine zu religiösen\n Zwecken bestimmte Confessionsanstalt mit strenger Daraufhaltung vorgeschrieben\n werden. Großjährigen Staatsbürgern hätte man natürlich in der Wahl eines im\n Staate berechtigten Standes nichts vorzuschreiben, es ist aber zu bedauern, daß\n bei dem Erlasse der ganz gerechten und freisinnigen Gesetze der freien Ausübung\n des Lehramts und der Kirchendisciplin der katholischen Kirche auf die Stimme des\n östreichischen Reichstags in Kremsier wegen Aufhebung der\n weltlichen Verbindlichkeit der Kirchengelübde nicht Rücksicht genommen wurde,\n wonach eine verfehlte Standeswahl durch freiwilligen Austritt schwer\n ausgeglichen und nicht gestattet wurde, daß sich der weltliche Arm zur\n Verhaftung ohne Richter und Urtheil unglücklicher Priester herleihe, die sich\n ihrem Stande durch Übertritt zu entziehen beabsichtigen. Der Kirche soll nicht\n erlaubt sein, ein Mitglied unter welchem Vorwande immer gefänglich einzuziehen,\n auch die angeblich freiwillige Stellung zur Rekolektionshaft sollte vor ihrem\n Eintritte von einer bürgerlichen Behörde als freiwillig constatirt werden.\n Äußere Macht ist nur bei der Staatsgewalt, die Kirche kann nur aus sich\n ausschließen und aufs Gewissen einwirken, was mehr ist, ist vom\n Unrecht.Anstalten wie Gymnasien, von denen zu wünschen ist, daß durch\n dieselben die Staatsbürger schon in der Jugend durch das Band gemeinschaftlich\n genossener Bildung und Sodalitaet zu brüderlich einträchtlicher Anstrebung des\n höchsten Wohles Östreichs vereint werden,\n soll man nie Confessionsanstalten werden lassen, wie es leider die katholische\n Priesterschaft schon durchgesetzt hat, um sich von ihrer gespenstrigen Furcht zu\n befreien, die sie vor der echten Aufklärung und bürgerlichen Einigkeit hegt, und\n gegen welche sie ungescheut predigt und spitzfindelt. Die auf Gymnasien\n gepflegten Wissenschaften enthalten außer der Religionslehre nichts den\n Confessionen feindliches. Die Religionslehre kann nach Confessionen gesondert\n vorgetragen werden. Die Dotirungsmittel, um deren eitlen Preis solche\n Concessionen erschlichen und ertrotzt werden, kommen doch zuletzt vom Volke und\n nicht von dem Clerus, sie werden durch die Sonderung nur zersplittert und dem\n Staatswohlen nicht, wohl aber dem Fanatismus gedient. Die Unterrichtsbehörde\n sollte alle Transactionen zu solchen Bewilligungen vermeiden; alle wohl\n denkenden Staatsbürger würden nur dankbar sein und die nöthigen Mittel noch\n williger liefern als jetzt der collectirend bettelnden Geistlichkeit (da wo\n dieses Mittel der Dotirung angewendet wurde), der so mancher nur aus falscher\n Scham den Beitrag nicht abgeschlagen, weil er wenn auch dunkel die menschen- und\n staatsfeindlichen Tendenzen des modernen Pharisäerthums ahnete, und nur oft geht\n die klare Kenntnis oder Entschiedenheit des Charakters ab, um ihm offen entgegen\n zu treten.Der Mangel an materiellen Mitteln ist zwar eines der ersten und\n wichtigsten Hindernisse des Aufkommens und Blühens des Volksunterrichts und\n hauptsächlich, so lange als ein Volk noch in Roheit versunken, sein höchstes Gut\n seine, schönste Zierde, wahre und sittliche Bildung nicht erkannt hat; mit der\n Steigerung und Ausbreitung der Bildung im Volke wird auch die Bereitwilligkeit,\n die Regierung für die Volksbildung zu unterstützen, sich gewiß steigern. Das\n gesammte Östreich befindet sich im ganzen\n auf einer sehr günstigen Mittelstufe der Volksbildung; noch einige\n Thätigkeitsentwicklung, die Anwendung des Bildungszwangrechts auch gegen die\n entlasteten oder doch sehr erleichterten Staatsgehörigen und Gemeinden: und\n Östreich erhebt sich auf eine glänzende\n Stufe europäischer Volksbildung. Auch müßte einer billigen Berücksichtigung\n unterzogen werden das Verhältnis mancher Ortsgemeinden, welche bis jetzt\n gehalten sind, eine Schule höhern Ranges aus eigenen Mitteln zu dotiren, die\n eigentlich Bezirksschule ist wie z. B. die vierten Klassen, die durch Dotirung\n aus den Mitteln eines ganzen Bezirks, den Gemeinden nicht so lästig würden und\n einen höheren Aufschwung erreichen könnten.Die östreichische\n Staatsverwaltung benützt vielleicht und wahrscheinlich zur Volksbildung einen\n Theil des sogenannten katholischen Religionsfondes, und die katholische\n Priesterparthei beutet diesen Umstand aus, um sich einen überwiegenden Einfluß\n bei der Erziehung der katholischen Jugend zu sichern, deswegen stimmt sie oft\n die der Regierung als Schreckensruf zugedachte Losung: „Die Kirche ist frei“ an.\n Dieser häufig wiederholte Drohungsruf, begleitet von der nie gesparten\n Anpreisung der Verdienste dieser Priesterschaft, wie auch höchstwahrscheinlich\n dynastisch religiöse Verhältnisse haben bei uns die Bemühungen des Unterrichtsministeriums bis nun gelähmt auf dem Wege der\n kräftigen Übernahme der Leitung der Volksschule. Allerdings ist die katholische\n Priesterparthei, und nur dieser hat man bisher gestattet die christkatholische\n Kirchengemeinschaft zu repräsentiren, eine moralische Macht, ein Auftreten gegen\n ihre weltliche Herrschaft erfordert bei weniger gebildeten Völkern große\n Vorsicht; aber einerseits ist es hauptsächlichst die Regierung, welche diese\n Macht auffallend begünstigt, und anderseits ist auch nur eine kräftige Leitung\n und Verbreitung der Aufklärung das geeigneteste Mittel, um diese Macht auf das\n Gebieth zu beschränken, welches ihr gerechterweise gebührt und wobei von ihrer\n Erhabenheit nichts verloren gienge. Der göttliche Stifter der christlichen\n Glaubenslehre hat in dem Satze: „Mein Reich ist nicht von dieser Erde“ eine\n Wahrheit über die Stellung der Kirche zum Staate und in demselben so bündig\n ausgesprochen, wie es keinem philosophischen Rechtslehrer besser gelingen\n könnte. Nach diesem Axiom für Kirche und Staat gültig kann aber die Freiheit der\n Kirche den Staat nie schrecken und nur so verstanden werden, daß die\n Glaubenslehre ganz frei sei, wenn sie die irdische Macht, den Staat nicht\n angreift, daß aber dieselbe ihre Freiheit auf die willkürliche Gebahrung mit\n Gütern dieser Erde nicht ausdehnen darf, ohne ihrer himmlischen Natur Eintracht\n zu thun. Nun ist aber das Kirchengut ein irdisches Gut, auf jeden Fall aber\n Eigenthum der sämmtlichen Gläubigen der christkatholischen Kirche, auf keinen\n Fall des Clerus allein, würde es ausgeliefert, so wäre es nur in die Hände der\n sämmtlichen katholischen Kirchenmitglieder zu geben und von diesen als\n Gesellschaft unter Oberleitung der Regierung zu verwalten, dann aber wie von\n jedem Eigenthum der entfallende Beitrag zu den allgemeinen Unterrichtsanstalten\n zu liefern; und in einem solchen Falle könnte man nur an Unterrichtsmitteln\n gewinnen, denn die Gläubigen werden dieses Vermögen nicht sparen, um ihre Lasten\n zu erleichtern. Eine solche Maßregel, wenn nur ihre Ausführung Privatrücksichten\n nicht hinderten, wäre so leicht als möglich auszuführen und würde in\n Deutschland mehr Sympathie für Östreich erwecken, als das Zollanschlußprojekt des\n Handelsministers, denn Deutschland fühlt es richtig und tief,\n daß mit Östreich, so lange dasselbe mit dem\n auf despotisch-aristokratischen Grundlagen stehenden katholischen Kirchenthume\n in partheiischer Bevorzugung verkehrt, kein auf echte Liberalitaet gestützter\n Bund für das Vaterland der Reformation zu hoffen sei, da ja die katholische\n Priesterkaste nirgends daraus einen Hehl macht, wie sie gegen die Früchte der\n Vernunft, nach ihrem Ausdruck der falschen Aufklärung, zu Felde zieht. Und wo\n giebt es die Freiheit ohne Vernunft; Vernunft, Aufklärung, Glück ohne Freiheit.\n Auf keinen Fall soll auch der Schein der Bundesgenossenschaft mit den Gegnern\n der Aufklärung das Ansehen und die Liebe einer Staatslenkung trüben.(Konnte\n unsre Regierung mit Recht wegen des Lehramts und der Kirchendisciplin mit den\n Repräsentanten dieser Authoritäten in der katholischen Kirche, den\n Apostelnachfolgern, den Kirchenfürsten verhandeln; so wäre sie doch nicht\n berechtigt die Sache des Kirchenguts mit der Geistlichkeit allein oder gar mit\n dem Papste abzuthun, nur die gesetzgebende Reichsversammlung ist zu solcher\n Erledigung berufen, welche gewiß auch in naher oder fernerer Zeit die\n sämmtlichen Klöster und religiösen Corporationen aufzuheben beantragen wird. Es\n wäre zu wünschen, daß ein solcher, der Vermehrung der Volkserziehungsmittel\n günstiger Antrag, die allerhöchste Sanction erhalte, während nie darauf\n einzurathen wäre, daß die Regierung hierin vor Reifung der Volksstimme von\n selbst etwas mehr veranlasse, als darauf zu sehen, daß die bestehenden Klöster\n keine Zwingburgen seien, und daß ein jüngst aufgehobener Orden, gerecht mit\n seinem letzten Eigenthume abgefunden, nicht mehr in Östreich auftrete, und die\n der Volksbildung, der öffentlichen Sittlichkeit und dem Ansehen wie der\n Wirksamkeit der Ortsseelsorge nicht förderlichen, sondern nachtheiligen\n Missionspredigten unterbleiben.)Was den Inhalt der Volkserziehung\n anbelangt, glaube ich nicht erst bemerken zu müssen, daß derselbe nach meiner\n Ansicht, die naturgemäße Entwicklung der Verstandes- und Gemüthsanlagen im\n Menschen bewirken soll, deren Ausbildung das Staats- und Bürgerwohl bedingt,\n weil ich das Streben der Regierung, nach den von mir bekannten Verordnungen,\n dieser Bestimmung ganz entsprechend finde, und also eine Aufzählung von dazu\n dienenden Mitteln nur eitle Wiederholung wäre. Die Anschauungsunterrichtsmethode\n ist das hiezu geeigneteste Mittel, weil es dem natürlichen Entwicklungsgange\n aller Anlagen im Menschen entspricht, aber zur Ausführung einer solchen sind\n Lehrer von tieferen psychologischen Kenntnissen erforderlich, als man solche für\n den Augenblick aufzutreiben vermag; deswegen würde ich die Aufmerksamkeit der\n Leitungsbehörden des Volksunterrichts auf folgende Umstände lenken: Erstens\n sollten Kinder in den Elementarklassen auch außer den Kleinkinderbewahranstalten\n – und diese soll der Staat besonders befördern und unterstützen – nicht wie\n Fachschüler mit langwierigem Sitzen und ermüdendem Vortrag von gar abgezogenen\n Regeln abgespannt und in der natürlichen Wißbegierde fürs Lernen abspänstig\n gemacht werden. Abwechslung im Unterrichte, zeitweise Bewegung dazwischen, und\n deshalb geräumigere, nicht überfüllte Schulstuben sind erforderlich. Mit dem\n Vortrage eines bestimmten Religionscatechismus dürfte vor einem gewissen Alter\n nicht begonnen werden, auch sollten die Kinder vor einem bestimmten Alter z. B.\n 14 Jahren von der Schule aus nicht dazu angeführt werden, bestimmte religiöse\n Mysterien, deren ihr Verständnis und ihre Unschuld noch nicht bedarf,\n mitzumachen, oder gleich Mönchen täglich die Kirche zu besuchen und alle\n Begräbnisse, meistens auf Verdienst des Lehrers, zu begleiten, weil dieses alles\n die kleine Jugend beirrt, das bessere Gefühl abstumpft und nicht geeignet ist,\n Charaktere heranzubilden, auf welche das Gemeinwohl bauen könnte. In den Genuß\n der religiösen Mysterien wird das Kind noch genug zeitig gelangen, die Zeit des\n täglichen Kirchenganges kann in der Schule nützlicher und andächtiger zugebracht\n und die Kirche an Sonn- und Feiertagen mit besserem Erfolge und bleibenderer\n Erbauung besucht werden. So kleinlich solche Sachen manchem Staatsmanne\n erscheinen mögen, so bedeutend ist ihr Einfluß auf die Erziehung und den\n Charakter der Völker.Zu solcher Behandlung der Kinder sind aber auch als\n Erzieher tüchtige Lehrer nöthig; zur Heranbildung solcher ist aber die\n Vollendung der jetzigen vierten Klasse und des Präparandenkurses nicht\n hinreichend; Lehrerseminare, die in andern Staaten wie in Preußen mit großen Kosten unterhalten werden, haben\n am Ende aus ihren Zöglingen, wenn diese nicht mit besonderer Begabung\n hineinkamen, keine besonderen Kirchenlichter geliefert, die außer Fähigkeit in\n der Musik von den privatim herangebildeten und auf dem Wege der Schulprax[is]\n gereiften Lehrern Vorzüge bewiesen hätten. Der östreichische Lehrerstand selbst\n hat ohne das Dasein solcher Seminare ausgezeichnete Volksschullehrer\n aufzuweisen.Die Erweiterung der vierten Klasse um einen Jahrgang mit\n Vortrag über Psychologie, Logik, Erziehungskunde, Landwirthschaft und dgl. und\n Unterstützung aus Staatsmitteln tüchtiger Schüler, die sich zu Lehrern\n heranzubilden versprechen, eine erträgliche Existenz für den anfangenden Lehrer\n und die sichere Aussicht auf gewisse Beförderung bei würdiger Verwendung und\n Aufführung werden uns ganz sicher mit guten Volkslehrern versorgen. Schulräthe\n auf angemessene Bezirke und Lehrervereine werden das Fehlende ergänzen; ist doch\n ein großer Theil Östreichs bei der\n bisherigen fehlerhaften Beschaffenheit des Lehrer- und Volksschulwesens gewiß in\n der Volksbildung und dem moralischen Charakter auf einer so soliden Stufe, wie\n in irgendeinem noch so gelobten Staate: unsre Hoffnung für die Zukunft ist durch\n die Vergangenheit gerechtfertigt und begründet, wir können mit freudigem Herzen\n ausrufen: Vorwärts unser Östreich über\n alles, wenn du willst!Die Gymnasien als eigentliche Gelehrtenpflanzschulen,\n die Horde der höheren Region der Volksbildung, also eigentliche\n Humanitätsschulen, sind vom Ministerium aufs\n sorgfältigste bedacht. Der Gymnasialzögling als zukünftige Säule und Priester\n der Humanität im Staate, kann nicht zeitig genug bekannt gemacht werden mit der\n Erkenntnis des Schönen, das ist des Wahren und Guten, wie es durch seine\n Erscheinung im Einzelnen auf unser Erkennen oder Anschauen einwirkend zum\n Schönen wird und durch Anklang an sein Verwandtes, Reinmenschliches uns\n beglückend erwärmt, er kann nicht zeitig genug inne werden, daß die Humanität\n und Verwandlung des Menschen zum Kunstwerk der eigenen Thätigkeit in seiner\n innersten Einzelheit in sich selbst sei, also die letzte Vollendung menschlichen\n Wesens durch habituell gewordenen Cultus des Schönen. Deshalb wäre das Studium\n des Alterthums, seiner Sprachen und Sprachformen und der übrigen Gelehrsamkeit\n unfruchtbar und eitler Tand, wenn nicht der Geist der Humanität, des Schönen dem\n Zögling gleichsam damit aufgedrungen würde. Dieses wird aber nicht erreicht,\n wenn erst im 7. und 8. Gymnasiallehrjahre und ohne Vorbereitung auf die\n philosophischen Studien gegriffen wird; es wäre nicht zu früh schon in der 4.\n Klasse, ihn in das psychologische Studium, in sich selbst einzuführen und diesen\n Unterricht mit geringer Aufbürdung und Erklärung bei entsprechender Lesung von\n Beispielen bis in die 6. Klasse fortzuführen. Der Schüler würde schon mit der\n Kenntnis des Ichs in die Wissenschaft dieses Ichs, die Philosophie im siebten\n Jahre übergehen, anstatt wie jetzt unvorbereitet ein ganz fremdes Gebieth\n betreten zu müssen. Große Schwierigkeiten würden so unbemerkt überwunden, und\n das ganze Studium erst recht furchtbar gemacht. Geschickten Lehrern, wie sie am\n Gymnasium bestehen, wäre die Durchführung ein Leichtes, ein angemessenes\n Lehrbuch, mit Anweisung des Lehrers wie weit in jeder Klasse vorzutragen, zu\n verlegen könnte auch nicht schwer werden.Sehr wünschenswerth ist es, daß\n die körperliche Erziehung der Schuljugend und die gymnastischen Übungen bald in\n Anwendung kommen, wie solche schon früher vom Unterrichtsministerium in seinem Programm versprochen\n wurden.Noch erübrigt über die Sprache des Volksunterricht das zu bemerken,\n daß es wohl Tyrannei wäre, den Elementarschüler in einer andern als der\n Muttersprache unterrichten zu wollen, es wäre auch zwecklos; da aber Östreich in diplomatischer wie in staatlicher\n Beziehung nur als vorwiegend deutscher Staat betrachtet werden muß, weil selbst\n die slavischen Idiome, die noch am stärksten vertreten sind, nur durch das\n Mittel der deutschen Sprache sich verständigen, und diese Sprache in Östreich, außer Italien, am\n meisten verwendet und verbreitet ist, auch leicht von allen Nationen erlernt\n wird: so wird es billig und wohlthätig sein, Schüler, die den Bau ihrer\n Muttersprache schon grammatisch erlernt haben, in die Kenntnis der deutschen\n Sprache einzuführen. Schüler der 3. Normalklasse und darüber sollten ohne\n Unterschied der Nationalitaet neben ihrer Muttersprache das Deutsche\n pflichtmäßig lernen, weil es so das östreichische Staatswohl erheischt, daß\n jeder Gebildete, zur Vertretung des Staatsinteresses Berufene diese beiden\n Sprachen inne haben und dadurch die Communication erleichtern, bis vielleicht in\n glücklicherer Zukunft das Sprachbabel, dessen Erlernung so viel Zeit dem wahren\n Bildungsunterrichte raubt, sich nach Beilegung der\n Nationalitäts-Alleinseligmachungstheorie, weniger groß erscheinen wird, was nur\n durch strenge Durchführung obiger Schulmaßregel möglich ist.Der Staat\n wendet wohl seine liebevolle Aufmerksamkeit zuerst der Erziehung der zarten,\n empfänglichen Jugend zu; jede Verwaltung findet aber auch eine Menge\n verwahrloster Staatsgehöriger vor, eine Menge vergessen das Erlernte, verfallen\n in Unwissenheit und Fehler, und aller dieser Heil giebt der erziehende, der\n sittliche Staat nicht auf, auch für diese hat er Anstalten und Mittel geistiger\n Unterstützung in Bereitschaft, keine solche Anstalt soll außer dem Einflusse des\n Unterrichtsministeriums stehen, wenn auch die Hauptverwaltung anderen\n Ministerien zukäme. So wie überhaupt der Mensch und Staatsbürger nie aufhört zu\n lernen und sich zu vervollkommnen: so bleibt er auch in allen Schichten und\n Altersstufen unter der liebevollen Aufmerksamkeit des für Belehrung bemühten\n Staates.Der Wirkungskreis des Unterrichts- und\n Cultusministeriums ist in einem an Bildung mehr potencirten Staate\n sehr wichtig und erhaben und so weit, daß dessen Umfang im Allgemeinen schwer zu\n bestimmen ist: er reicht so weit als es darum geht, den Staat durch\n Wissenschaft, Kunst und Sittlichkeit zu befestigen, zu beglücken und so das\n Reich Gottes auf Erden zu gründen.Bedenkt man die Ausführbarkeit dieser nur\n annähernd zu lösenden Aufgabe in unserm theuren Östreich, verschieden an Völkern, Volksschichten, Religionen,\n Zungen und Tendenzen, weit ausgebreitet nach allen Strahlen der Windrose: da\n erscheint die Aufgabe riesenhaft; erwägt man dabei das tragische Ende und\n Erlöschen der kolosalen Staaten des Alterthums, die doch den Vortheil der\n Transformations- und Assimilirungsmacht des erobernden Despotismus ungescheut\n und mit viel Glück durchführten, während eine jetzige Regierung mit den\n zänkischen Nationalitätchen so haicklich [sic!] umgehen muß: da wird’s um diese\n Ausführbarkeit uns sehr wehmüthig.Das eine wachende Auge im Mittelpunkte\n des Staatsorganismus, dem diese ungeheure Aufgabe vorliegt, den Unterricht, die\n Erziehung und Beglückung der Völker Östreichs zu leiten und zum höchsten Ziele zu führen, kann dieses\n Ziel nur dann erreichen, wenn es ihm bald gelingt, in den beabsichtigten\n Schulräthen, durch die Wahl an Wissen, Willen und Vaterlandsliebe erprobter\n Männer, taugliche Werkzeuge, verläßliche Gehilfen zu erwerben. Durch solche Wahl\n und durch unerbittliche Beseitigung des Unkrauts wird es gelingen, Östreich zu einem Sittlichkeits- zum wahren\n christlichen Staat voller Ehren zu machen, welchen das tragische Ende der\n Alterthumsstaaten nie bedrohen wird. Das wird geschehen, wenn es ernstlich\n gewollt wird, es ist aber dazu rathsam und nöthig, daß schon jetzt das Unterrichtsministerium seine Thätigkeit durch Aufnahme der besten\n Männer aller Confessionen und Kronländer verstärke, während dieses bis nun nicht\n der Fall zu sein scheint.Wer wie ich die Vergangenheit von 35 Jahren, die\n Fortschritte in der Prosperitaet und Bildung Östreichs und besonders die günstige Klärung der Ansichten und\n Tendenzen in allen Volksklassen seit 1848 aufmerksam, ohne Furcht und\n unpartheiisch beobachtet hat, der kann getrost sich den schönsten Hoffnungen für\n Östreichs Zukunft hingeben.\n \n'b'Das hier Mitgetheilte, lieber Freund, ist nicht neu und Millionen Mitbürgern\n bekannt; ich habe es niedergeschrieben, um meinem theuren Lehrer Rechenschaft zu\n legen von meinen Ansichten und Wünschen hinsichtlich der einen Staats- und\n Volksangelegenheit. Ihrem rücksichtslosen Urtheile sehe ich mit der Ruhe\n entgegen, mit welcher ein unbefangenes aufrichtiges Streben einem solchen\n entgegen sehen kann. Wollen Sie ein solches Urtheil sicher zukommen lassen\n \n'b'Ihrem Verehrer\n \n'b'Josef Kwieciński\n \n'b'Biala 2. October 1850\n \n'5
b'Eure Excellenz,\n \n'b'haben mir in Paris eine so wohlwollende Aufnahme und schon\n längst ein so huldvolles Interesse geschenkt, daß ich Ihre Anwesenheit in\n Wien für einen Zweck zu nützen wage, den ich der\n Protektion eines so erleuchteten Staatsmannes würdig glaube.Ich habe unterm\n 16. April Seiner Erlaucht dem Grafen\n Kuefstein, nicht ohne seiner eigenen Veranlassung, den Antrag\n einer wissenschaftlichen Mission übergeben, den derselbe sofort hochgeneigtest\n an den Herrn Fürsten\n Ministerpräsidenten selbst einsandte. Dieser Antrag bezweckt\n zunächst eine wissenschaftliche Mission nach dem Morgenlande, soweit ich\n dasselbe schon früher bereist habe, theils um einen großen einzigen Bibelschatz\n zu erwerben oder wenigstens an Ort und Stelle für die Wissenschaft und Kirche\n auszubeuten, theils um über sämmtliche dortige größtentheils erst durch mich in\n Europa näher bekannt gewordenen Bibliotheken eine\n Catalogue raisonné zu fertigen, unter sofortiger Erwerbung aller wichtigen\n Handschriften, soweit dies möglich wäre. Zugleich hab‘ ich es aber\n ausgesprochen, daß mir diese Mission doppelt erwünscht sein würde, knüpfte sich\n daran eine förmliche Berufung nach Wien. Dabei hob ich\n den Wunsch hervor, vorzugsweise den Bibliotheken des Kaiserstaats, wie denen zu\n Venedig, zu Mailand, zu\n Verona, in Böhmen\n meine Thätigkeit zu widmen, und deutete mehrere Gesichtspunkte an, unter denen\n meine Forschungen der Kaiserlichen\n Akademie der Wissenschaften nicht unwillkommen sein\n möchten.Da ich nun, so gut wie Graf\n Kuefstein, bis jetzt noch ohne Bescheid geblieben, so wage ich\n Eurer Excellenz unterthänigst zu ersuchen Seiner Durchlaucht dem Fürsten Ministerpräsidenten mein\n Schreiben vom 16. April in Erinnerung zu bringen, und für dasselbe, wenn es\n anders mit dem gnädigen Urtheile Eurer Excellenz über mich vereinbar ist, der\n gewichtigste Fürsprecher werden zu wollen.Wie sehr meine im letzten\n Jahrzehend der Öffentlichkeit übergebenen Arbeiten selbst von streng\n katholischer Seite anerkannt worden [sind], das sah ich neulich von Neuem an den\n mehrfachen Artikeln darüber in dem Thesaurus librorum rei catholicae, Würzburg\n 1850, S. 136, 210 fg, 223, 552, 877.Vgl. Thesaurus\n librorum rei catholicae. Handbuch der Bücherkunde der gesammten Literatur\n des Katholizismus und zunächst der katholischen Theologie, Bde. 1 und 2,\n Würzburg 1848 und 1850.\n So hoff’ ich gnädige Nachsicht und\n Entschuldigung für mein Schreiben und habe die Ehre, in dankbarer Verehrung zu\n verharren\n \n \n'b'Eurer Excellenz \n \n'b'unterthänigster DienerConst. Tischendorf\n \n'b'Leipzig, den 17. Juli 1850\n \n'5
b'Wien, 3. Mai 1850\n \n'b'Hochgeborener Herr Graf!\n \n'b'Der junge Professor in Olmüz [Olmütz] sendete mir seine erste\n Vorlesung schon gedruckt mit dem Auftrage, ein Exemplar seinem hohen Gönner\n zuzustellen. Selbst von Dankbarkeit das Herz voll, wollte ich diese Übergabe mit\n wenigen Zeilen begleiten. Ich bin glücklich, in diesem Vortrage die Hoffnungen\n schon bewährt zu finden, die mit mir noch viele andere von dem Verfasser hegen,\n und ich möchte behaupten, wer so anfangen konnte, wird noch erst in der Zukunft\n die reichlichsten Früchte darbieten. Er kann als Filosof eine der ersten Stellen\n noch in dem verwahrlosten Österreich\n einnehmen und man wird dann segnen denjenigen, der in dem gegenwärtigen Wirrsal\n mit scharfem Aug das Richtige herausgefunden und mit mutiger Hand an den rechten\n Ort gestellt hat. Der alte Zimm[ermann]\n muß heut die süßesten Vaterfreuden empfinden, denn er hat diesen\n seinen Sohn nicht blos leiblich erzeugt, sondern auch geistig gebildet zu dieser\n Treflichkeit, ein Theil, der nicht mehr kann weder von dem einen noch von dem\n andern wieder genommen werden.Allein wie man doch bei besten Willen und\n besonnenster Wahl fehlgreifen kann. Wie freute ich mich, dass Šilhavy zum Gymnasialinspector ernannt\n worden ist! Schmerzlich ist ihm nur, daß sein Anstellungsdecret solange\n ausbleibt, er sehnt sich so schnell als möglich aus Olmüz weg, um seinen neuen Wirkungskreis, des er so sehr sich\n freut, anzutreten; allein er weiß noch immer nicht, ob seine Ernennung etwa nur\n ein Traum gewesen, oder von ihm blos mißverstanden worden ist. Noch immer glaube\n ich an seine Tüchtigkeit und daß er nur Gutes stiften würde. Und doch wie hat\n sich das in diesem Augenblik geändert! Gestern war Präfect Effenberger bei mir und warf\n die Äußerung hin, daß er am besten sich werde pensioniren lassen. Auf mein\n Staunen erwiederte er, daß er mit Beschämung von hier zurükgehe, denn von allen,\n namentlich den Gymnasiallehrern geschäzt und gewünscht, ja von ihnen als dem\n Würdigsten erwartet, daß er zum Schulinspector ernannt werde, eine Ernennung,\n die in Prag auch als schon geschehen angenommen wurde,\n erscheint er nun als derjenige, der von seiner höchsten Behörde verworfen wurde,\n und er ist darüber tief gekränkt. Dies sein wörtliches Geständnis. Dazu meint\n er, die Gymnasiallehrer würden dem statt seiner Gewählten auch mit vieler\n Verstimmung begegnen, weil er nicht aus ihrer Mitte sei, was doch gesetzlich\n sein sollte, weil er nie Gymnasiallehrer gewesen und also weder mit den tausend\n Bedürfnissen und Geschäften, welche das Amt erfordert, hinlänglich bekannt sein\n könne, noch mit den Lehrern in der ihnen einzig zusagenden Weise zu verkehren\n imstande sein werde. Zeithammer sei\n von allen gleichmäßig geschätzt und ihn würde man auf den Händen tragen,\n Šilhavy aber betrachte man als\n einen Fremden, Eingeschobenen. Prag sei allarmirt deshalb.\n Er selbst (Effenberger)\n gönne dem Manne herzlich seine Stelle und schätze seine hiezu dienlichen\n Kenntnisse und Eigenschaften; allein auch er habe und viel, viel länger sich\n Verdienste erworben, sei vollkommen vertraut mit dem Amte, verehrt von den\n Lehrern und Schülern, er sei ein Mitglied des Lehrercollegium, ihm gebühre das\n schon mit allgemeiner Zufriedenheit über 20 Jahre lang versehene Vorsteheramt,\n das auch nur einem Mitglied gehöre; seine allerdings vorhandene Kränklichkeit\n sei auf dem Wege gehoben zu werden, daß sie ihm nicht hinderlich sein\n könne…Besorgt, daß er selbst, der überaus bescheidene Mann, den ich seit\n der längsten Zeit nicht mehr gesehen und von dessen allseitiger, seltener\n Trefflichkeit ich zu meiner größten Freude wirklich überrascht worden bin, es\n nicht wagen würde, über diese Verhältnisse mit Ihnen mündlich und ganz\n unbefangen sich zu äußern, hielt ich mich verpflichtet, dieses unverholen selbst\n zu thun, natürlich ohne ihn von diesem Vorhaben das mindeste merken zu lassen.\n Ich bin in der That in größter Verlegenheit, denn, was ich zeither zufällig von\n Effenberger gehört,\n ließ mich auf ihn gar nicht Bedacht nehmen. Trösten kann mich nur das Vertrauen\n auf denjenigen, der schon so oft und in schwierigeren Dingen eine richtige\n Auskunft gefunden, der also auch diesmal wird seine Maßregel so zu nehmen\n wissen, daß dem Allgemeinen gedient ist. Ich selbst tröstete ihn mit der\n Möglichkeit, daß sein hoher Gönner schon ihn an die rechte Stelle werde zu\n weisen wissen; allein auch das beruhigte ihn nicht, weil er in einer fremden\n Provinz unmöglich sich zurechtfinden könne, weil ganz Böhmen bereits auf ihn gerechnet habe und freudig ihn erwartete.\n Von der andern Seite würde Šilhavy\n sich wahrhaft unglücklich fühlen, wenn seine Ernennung rükgängig würde oder wenn\n er, mit seinen Familienverhältnissen, in ein fremdes, vielleicht fernes Land\n wandern müsste. Kurz ich wüßte nicht zu helfen. Fehle ich nicht schon arg, daß\n ich mir herausnehme, mit Ihnen von Dingen zu reden, die mich gar nichts angehen?\n Allein ich sehe hier viel weniger auf die Personen als auf die öffentliche\n Sache; und von den Personen steht mir keine höher, heiliger als diejenige, die\n ich um keinen Preis will in schiefe Stellung geraten lassen, und so ließ ich\n mich verleiten, solang vielleicht noch Zeit ist, durch einen Wink nüzlich zu\n sein. Überdies munterte ich Effenberger, der mir gestand, noch sehr vieles das Schulwesen\n betreffende auf dem Herzen zu tragen, wenn nur die Zeit und das Gedränge der\n kurzen Audienz es erlaubte, sich mitzutheilen, auf, dasselbe schriftlich und\n zwar unmittelbar zu thun, sodaß es in ihre Hände käme. Durchaus konnte er aber\n mir nicht genug sagen, von welch hoher und tiefer Verehrung und Liebe er von\n demjenigen durchdrungen sei, welcher durch die Hieherberufung ihn so\n ausgezeichnet habe, dessen Reden überall so genaue Kentnis, so innige Liebe, so\n aufopfernden Willen für die Sache bezeugen.Seine Gefühle in dieser Hinsicht\n stehen nicht nach den eigenen Ihres\n \n'b'gehorsamsten\n \n'b'Michael Jos. Fesl\n \n'5
b'Hochgebohrener Herr Graf\n \n'b'Mit großem Vergnügen habe ich vernommen, daß Ihnen daran liege, für Emporbringung\n unserer höheren Lehranstalten tüchtige Männer, erprobte Gelehrte aus dem\n Auslande zu gewinnen. In dieser Hinsicht darf ich wagen, Ihnen einen mir seit\n langer Zeit wohlbekannten Professor in juridischer Sache nahmhaft zu machen,\n welcher Ihren Wünschen und Absichten vollkommen entsprechen dürfte. Derselbe ist\n der dermalen an der Universität in Tübingen als Professor des römischen Rechts fungirende Hofrath\n Warnkönig. Sein\n litterarischer Ruf ist durch gediegene Werke begründet. Seine französische\n Staatsgeschichte\n Vgl. Leopold August Warnkönig,\n Französische Staats- und Rechtsgeschichte, 3 Bde.,\n 1845-1848.\n kann zum Muster für ähnliche Werke dienen. Er\n dozirte früher mit ausgezeichneten Beifall an der Universität in Gent; nach Ausbruch der belgischen\n Revolution erhielt er einen Ruf nach Freiburg später nach Tübingen. Ich halte ihn gleich befähigt für eine Kanzel des\n römischen Rechts wie für eine der Rechtsgeschichte. Er ist dabei noch ein Mann\n in den besten Jahren, hat etwas die Welt gesehen, hat mit vielen Gelehrten\n namentlich auch mit französischen Rechtsgelehrten Verbindung, ist Mitglied der\n historischen Gesellschaft in Paris, übrigens von rein\n monarchischen Grundsätzen. Mehr ist wohl nicht nöthig von ihm zu sagen, um ihn\n zu empfehlen. Ich habe Ursache zu glauben, daß er dermalen einem Rufe nach\n Wien nicht ungern folgen würde,\n indem ich weiß, daß er den dermaligen Zuständen in\n Süddeutschland sehr abhold ist. Auch als Publizist würde er\n gute Dienste leisten können. Erlauben Sie Herr Graf, daß ich diesen Anlaß\n benutze, um Sie in Ihrem neuen wichtigen Amt freundlichst zu begrüßen und die\n Versicherung der aufrichtigen Hochachtung zu erneuern, mit welcher ich\n verharre\n \n'b'Ihr gehorsam ergebenster\n \n'b'J. P. Wessenberg\n \n'b'Carlsbad, den 23. Okt. 1849\n \n'
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